Badedas, Kosmos 1/63


Das ist der Großvater von Claudia Schiffer im Jahre 1963. Er lebte in einer glücklichen Zeit. Man mußte damals noch nicht wie die magersüchtige Hollywoodversion einer griechischen Göttin aussehen um für eine Badelotion Werbung machen zu dürfen. Es war völlig in Ordnung, wie ein Gartenzwerg ohne Wichtelmütze daherzukommen, vorausgesetzt, man konnte lächeln. Lächeln war schon damals wichtig. Glücklich mußte man auch damals schon sein, da wurde kein Pardon gegeben. Aber wie konnte einem das Glück auch schwerfallen, wenn man doch fröhlich umschäumt in einer Soße saß, die mit badedas angemacht war, 5 Vitamine, Roßkastanienextrakt und Chlorophyll inklusive? Das Mittelchen reinigte die Poren, hielt die Haut geschmeidig, machte hartes Wasser seidenweich und führte nie, nie, nie zu einem häßlichen Kalkseifenrand. Niemals. Und das allerbeste daran: Es kam daher, wo alle guten Sachen herkommen, aus dem UHU-Werk der Gebrüder Fischer, die zu dieser Zeit mit den Gebrüdern Grimm in einem Atemzug genannt wurden, wenn man einem Unkundigen das Wesen der Deutschen erläutern wollte. UHU klebte alles, und badedas machte alles sauber, sogar Gartenzwerge, auch wenn sie vom vielen Schubkarrenschieben im jägerumzäunten Vorstadtvorgarten ganz erschöpft und zerschafft waren. Herr Schiffer, Sie schifften in besseren Zeiten. Fragen Sie nur Ihre Enkelin.


Marcus Hammerschmitt, 1996